Meike und das Erdbeben von Canterbury Reviewed by Momizat on . „Neuseeland wird des öfteren von Erdbeben heimgesucht“  - diesen Satz hört man immer mal wieder und in jedem neuseeländischen Gebäude hängt ein Erdbeben-Evakuie „Neuseeland wird des öfteren von Erdbeben heimgesucht“  - diesen Satz hört man immer mal wieder und in jedem neuseeländischen Gebäude hängt ein Erdbeben-Evakuie Rating:
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Meike und das Erdbeben von Canterbury

Meike und das Erdbeben von Canterbury

„Neuseeland wird des öfteren von Erdbeben heimgesucht“  - diesen Satz hört man immer mal wieder und in jedem neuseeländischen Gebäude hängt ein Erdbeben-Evakuierungs – Plan aus, aber irgendwie nimmt man diese Gefahr nie bewusst war und denkt auch nicht wirklich darüber nach, wenn man dieses Land bereist – zumindest nicht bis zum 4. September 2010! Seit diesem Tag stehen eine Flasche Wasser und Schuhe vor meiner Tür, die Taschenlampe liegt neben meinem Bett, und Schlüssel und Geld sind in meiner Pyjama – Hose.

An diesem Samstag morgen bin ich um 4.35 Uhr wach geworden, weil mein Bett gewackelt hat, und ich Vasen und Glas zerspringen hörte. Ich hatte zuerst keine Ahnung, wie es um mich geschieht, denn als Deutsche wurde einem nie „angemessenes Verhalten im Falle eines Erdbebens“ gelehrt, geschweige denn, wie die Kiwis schon Earthquake-Drills seit dem Kindergarten gehabt. In dem Moment als das 7,1 starke Erdbeben an unserem Haus in der Nähe von Christchurch rüttelte, schrie mein Freund „Raus hier, Raus hier!“ und so standen wir in unseren Pyjamas bei minus 2 Grad auf unserem Rasen und haben gezittert – mehr vor Schock als vor Kälte. Ich habe aber mittlerweile gelernt, dass man unter einen Tisch kriechen soll. Auch Türrahmen sind heutzutage nicht mehr stark genug. Viele der Cantabrians (= Einwohner der Region Canterburys), die am Meer wohnen sind sofort in ihre Autos gesprungen, aus Angst vor einem folgenden Tsunami. Mein Freund und ich haben 7 Stunden nach dem Beben noch immer im Auto gesessen und Angst gehabt das Haus zu betreten. Es gab ja auch kein Wasser und keinen Strom.

Noch viel schlimmer als das Erdbeben selber sind die vielen Nachbeben. Heute 9 Tage nach dem eigentlichen Beben zählen wir mehr als 400 Nachbeben mit Stärken von 2,0 bis 5,8 auf der Richterskala. Ich sag‘ Euch: Nachbeben über 4,5 sind schon eigene Erdbeben. Das ist etwas, woran man sich auch nicht gewöhnen kann. Da geht einem immer das Herz auf volle Pumpe, wenn das Haus wieder wackelt und Sachen von den Regalen fallen. Momentan befinden sich alle zerbrechlichen Gegenstände bei uns auf dem Fussboden. Fluchtposition wird ab einer Stärke von 5,0 eingenommen. Die Nachbeben kommen ja auch, wie sie lustig sind: wenn man auf’m Pott sitzt, sich die Haare shamponiert hat oder wenn man sutsche auf dem Sofa sitzt. Richtig ekelhaft ist auch das Geräusch des Erd – bzw. Nachbebens, das es umsonst dazu gibt. Das ist so ein Grollen das langsam anrollt, welches dann von wackelnden Fenstern und Gegenständen übertönt wird. Ich denke dann immer, die Erde tut scih gleich unter mir auf. Ja ja, ich weiss, zu viele James Cameron – Movies gesehen.

Mein Freund und ich haben es am Montag Abend (3 Tage nach dem Beben) nicht mehr ausgehalten. Wir lagen schon im Bett als um 23 Uhr wieder zwei Nachbeben mit einer Stärke von mehr als 5,0 auf der Richterskala an unseren Wänden rüttelten. Innerhalb einer halben Stunde packten wir unsere Siebensachen, machten das Haus erdbebensicher, d.h. alle Gegenstände von den Regalen, Bilder von den Wänden, Stecker raus und Wasser abstellen und sind dann gen Norden gefahren. Wir sind die ganze Nacht durchgefahren und letztendlich nach 6 Stunden in Nelson (Norden der Südinsel), unserem Flüchtlingscamp, angekommen.

Wie durch ein Wunder ist bei diesem starken Erdbeben keiner ums Leben gekommen. Nicht wie in Haiti, wo im Januar 2010 mehr als 200.000 Menschen bei genau derselben Erdbeben-Stärke um‘s Leben gekommen sind. Wir haben wirklich Glück im Unglück gehabt, viele Gegenden in Christchurch und Canterbury hat es schlimm getroffen. Mehr als 1000 Häuser sind unbewohnbar, und ein grosser Teil der historischen Gebäude in der Innenstadt von Christchurch sowie einige Kirchen müssen abgerissen werden, weil sie eine Gefahr darstellen. Es war auch unglaublich mitanzusehen, wie die Menschen und Unternehmen hier vor Ort reagierten und wie vorbereitet dieses Land auf solch ein Ereignis ist. Nur vier Stunden nach dem Beben, hatten die ersten Supermärkte wieder geöffnet. Am Montag wurde der Müll abgeholt, und die Post geliefert.  Ich habe mal den Spruch gehört „Ein Land ist so gut, wie seine Infrastruktur“. Tja, demnach hat Neuseeland heute den ersten Platz gewonnen! Wundervoll war auch zu erfahren, wie die Gemeinschaft zusammenhält und wie jeder jedem Hilfe angeboten hat und einander unterstützt hat und auch immer noch tut. Besonders, wenn man wie ich keine Familie oder enge Freunde hier hat, um dieses wirklich schockierende Ereignis zu teilen und sich an einer Schulter auszuweinen, dann ist so eine Nachbarschaft und auch die Unterstützung von Kollegen ganz toll zu erfahren.

Und die Moral von der Geschicht: Dieses Erdbeben war echt eines der schlimmsten Erfahrungen, die ich je in meinem Leben gemacht habe und auch jetzt, wo ich hier an meinem Computer sitze und diesen Artikel schreibe, bebt die Erde schon wieder. Einfach nur UNHEIMLICH! Man kann echt nicht sagen, wie man in solch einer Situation reagiert bevor man so etwas nicht selber mitgemacht hat. An diesem Ereignis sieht man mal wieder, wie stark die Natur ist und wie klein wir Menschen doch einfach nur sind.

About The Author

Ich bin Meike, komme aus Deutschland und lebe nun schon seit einigen Jahren in Neuseeland. Ich bin als Backpackerin mit dem Work & Travel Visum im Januar 2008 eingereist und geblieben! Ihr könnt mir gerne schreiben unter meike@work-travel-nz.com

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Comments (7)

  • Vanessa C.

    Krass, dass dieses Beben von der Stärke so stark war wie in Haiti, wußte ich gar nicht. Ist trotz allem echt ziemlich heavy zu lesen und für mich (selbst mit Globetrotter-Erfahrung) einfach unvorstellbar.
    Hoffentlich beruhigt sich die Erde bei Euch bald wieder!

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  • gaby müller aus midlum

    hey meike, junge junge deine geschichte und die nachrichten über das erdbeben… gruselig…. aber dir und deinem freund ist nichts passiert… material kann man ersetzen, das ist soooooo unwichtig… wichtiger sind die menschen….übrigens deine erdbebengeschichte lässt sich super lesen….ich meine damit, das du fesselnd erzählen kannst….
    glg aus midlum in old germany
    gaby und family

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  • Regina Krause

    Hallo Meike,
    wir kommen über Weihnachten nach Christchurch. Wie sieht es denn dort aus. Meinst du man kann dort wieder vieles Besichtigen und Urlaub machen oder ist so vieles zerstört, dass es sich für einen Touristen nicht lohnt nach Christchurch zu fahren? Wir haben ein Hotel in der Bealey Avenue gebucht. Hast du eine Ahnung , ob dort viel kaputt ist?
    Viele Grüße aus Dortmund
    Regina

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    • Meike

      Hi Regina
      wie schoen, dass Du Weihnachten in dem sommerlichen Neuseeland verbringen moechtest. Es lohnt sich auf jedenfall noch nach Christchurch zu kommen. Es sind zwar einige Gebaeude in der Innenstadt kaputt, aber dies auch nur vereinzelt. Die Hauptattraktion wie die Christchurch Cathedral, das Arts Centre, der Botanische Garten und viele weitere Gaerten, sind nicht betroffen. Die Bealey Ave ist auch nicht wirklich von dem Erdbeben getroffen worden: Victoria Street, Manchester Street, Avonside Drive und einige Strassen in den Stadtteilen Kaiapoi, New Brighton und Bexley haben einiges abbekommen, aber ansonsten sieht man nicht wirklich, dass hier vor 2 Wochen ein Erdbeben war. Es kehrt nun langsam wieder Normalitaet ein, auch wenn wir taeglich noch ca. 5-7 Nachbeben haben. Ich hoffe mal, dass sich das bis Weihnachten erledigt hat. Auf dieser Webseite werden die Nachbeben aufgelistet:

      http://www.geonet.org.nz/earthquake/quakes/recent_quakes.html

      Falls Du weitere Fragen hast, kannst Du sie gerne stellen.

      Viele Gruesse, Meike

      Reply
  • walgundis

    hallo meike , habe eben diese seite entdeckt — wir kommen am 27.10. nach christchurch — haben ein b&b in der armagh st gebucht — ein bischen mulmiges gefühl haben wir schon ( vor allem wegen der vielen nachbeben ) das mindert etwas unsere vorfreude auf diese schöne land , das wir zum 1. mal besuchen hoffentlich klappt alles liebe grüsse gundi

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    • Meike

      Hi Gundi
      mach’ Dir keine Sorgen, Du wirst hier den allerschönsten Frühling erleben mit blühenden Kirschblütenbäumen und Tulpen. Seit 2 Wochen haben wir nur Sonne und blauen Himmel. Das alleine sollte Deine Vorfreude hochhalten.
      Ja, wir haben manchmal noch Nachbeben, ca. 3-5 pro Tag, aber die sind nicht sehr stark und die meisten sind in ChCh auch nicht spürbar. Hier ist wieder Normalität eingekehrt, und man wird nur durch ein paar Gebäudelücken noch an das Beben erinnert. Also, lasst Euch die Vorfreude nicht verderben, ihr werdet hier eine tolle Zeit haben und der Community Spirit in ChCh, der durch das Beben gewachsen ist, wird Euch die Kiwis & Kultur näher bringen. Am Ende wollt’ ihr bestimmt gar nicht mehr nach Hause.
      Viele Grüsse aus dem Frühling
      Meike

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  • Doris

    Ist schon echt heftig zu sehen, was die Menschen bei so einem Beben erleben und wie sie damit umgehen. Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen und wenn ich ganz ehrlich bin, möchte ich so etwas auch niemals erleben müssen.

    Reply

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